Die in den letzten Wochen kommunizierten Inflationsdaten im Euroraum passen keineswegs zum Plan der EZB. Die Inflation lag im Februar verglichen mit dem Vorjahr bei 8.5 Prozent. Dies ist der tiefste Stand
seit Mai 2022, liegt aber immer noch 30 Basispunkte (0.3 Prozent) über der Erwartung. In allen grossen EURO-Wirtschaftsräumen legte die Inflation zu. Nur in Italien kam es zu einer leichten Abschwächung.
Diese neuen Inflationszahlen werden mit grosser Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Leitzinsen in der Eurozone weiter angehoben werden. Aktuell liegen diese bereits bei 3.0 Prozent. Die EZB-Chefin Christine Lagarde kommunizierte für die kommende Notenbank-Sitzung vom 16. März 2023 bereits den nächsten Schritt von 0.5 Prozent.
In der Schweiz kann ebenfalls von einem weiteren Zinsanstieg ausgegangen werden. Die Futures-Kontrakte für SARON 3 Monate notieren für September 2023 bei einem Zinssatz von 2.0 Prozent. Sollte der Markt recht behalten, erhöht die SNB den Leitzins in den kommenden Sitzungen bis Herbst somit um 100 Basispunkte (1.0 Prozent). Auch hierzulande ist die Inflation hartnäckig und legte im Januar um 0.6 Prozent auf 3.3 Prozent zu. Die anfangs Woche publizierten Inflationsdaten für den Februar zeigen ebenfalls nach oben und liegen bei 3.4 Prozent. Eine Zunahme bei den Preisen ist vor allem bei Nahrungsmitteln, Flug- und Pauschalreisen sowie in der Restauration festzustellen. Dies zeigt, dass die Nachfrage nach Freizeitaktivitäten weiterhin hoch ist, weshalb Anbieter ihre Preise weiter erhöhen können.
Durch die bereits vollzogenen und bevorstehenden Zinserhöhungen sollte sich die Inflation bald wieder abschwächen. Das erhöhte Zinsniveau verteuert Hypotheken und Leasinggeschäfte, was dazu führen dürfte, dass die Konsumnachfrage gedämpft wird.
Das im Vorjahresvergleich erhöhte Zinsniveau hinterlässt in Europa bereits tiefe Spuren. Die Zinserhöhungen führen zu tieferen Liegenschaftswerten. Potenzielle Immobilienkäufer warten mit dem Abschluss zu, da sie von der EZB weitere Zinsschritte erwarten. Schuldner, die Darlehen refinanzieren müssen, bekommen zunehmend Probleme, da die Werte der Liegenschaften fallen, während die Zinskosten gleichzeitig substanziell ansteigen. Diese Kombination kann dazu führen, dass nicht das gesamte Darlehen erneuert werden kann und Besitzer somit zum Verkauf der Liegenschaft gezwungen werden.
Letzte Woche wurde bekannt, dass Blackstone, einer der weltweit grössten Immobilien- und Finanzierungsplayer am Markt, eine Obligation in der Höhe von EUR 531 Mio. nicht zurückzahlen kann. Die Obligation, die als «Commercial Mortgage-Backed Security» strukturiert und mit Büro- und Einzelhandelsimmobilien besichert ist, wird voraussichtlich nur teilweise bedient. Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Sicherheiten um finnische Immobilien handelt. Diese Mitteilung zeigt eindrücklich, dass die gestiegenen Zinsen die Investoren vor ganz neue Herausforderungen stellen.
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Andreas Lang
Andreas Lang ist Consultant bei Corefinanz AG.