jerome powell

Weitere Zinserhöhungen durch die Nationalbanken und Elefantenhochzeit der Grossbanken

Die Zwangsheirat von UBS und Credit Suisse mit dem Staat als Matchmaker, fühlt sich wahrscheinlich für viele Finanzmarktteilnehmer auch am Morgen-Nr. 4 noch wie ein Traum an. Ob Alb- oder süsser Traum wird sich weisen, zu ungewiss ist aktuell, was die neue Megabank für unseren Finanzplatz bedeutet. Gewiss ist, dass die grösste Unternehmerbank für Schweizer KMU in ein paar Monaten Geschichte ist. Es sei denn, die Credit Suisse Schweiz wird abgespalten und als separates Unternehmen wieder aufgebaut. 

Nachdem in den USA seit Anfang März mehrere Regionalbanken, wie beispielsweise die Silicon Valley Bank und die Signature Bank, wegen der gestiegenen Zinsen und mangelndem Vertrauen gerettet oder geordnet geschlossen werden müssen, traf es am Sonntag die Grossbank Credit Suisse. Je mehr Informationen an die Öffentlichkeit drängen, desto mehr erhärtet sich der Anschein, dass die Credit Suisse auf Druck des Auslands abgewickelt wurde. Doch was bedeutet die aktuelle Bankenkrise für die Entwicklung der Zinsen?

Noch am 9. März 2023 wurde von der FED erwartet, dass sie die Zinsen auf etwa 5.5 Prozent per Ende Juli 2023 anheben wird. Dies aufgrund der anhaltend hohen Inflation und der robusten Arbeitsmarktdaten. Zudem rechnete der Markt damit, dass die Zinsen für «länger höher» bleiben. Dies zeigt die untenstehende Übersicht,  die den erwarteten Leitzins darstellt.

Eine Woche später, am 16. März 2023, zeigte sich das Bild komplett neu: Die Bankenkrise schreitet voran und die in den letzten Jahren durch Banken gekauften Obligationen weisen immer höhere Bewertungsverluste aus. In der Abbildung 2 zeigt sich, dass der Markt den Höchstzins nur noch bei knapp 4.9 Prozent sieht. Danach folgen Zinssenkungen auf ca. 4.1 Prozent bis Januar 2024.

 

 

Bekannterweise hat die FED gestern den Leitzins um 0.25 Prozent angehoben und arbeitet nun mit einem Zielband für den Leitzins zwischen 4.75 bis 5.00 Prozent. Von der Zinserwartung zum Höchstzins, die Anfang März 2023 noch galt, sind wir mittlerweile weit entfernt. Ebenfalls soll die FED gemäss den Markterwartungen die Zinsen künftig wieder stärker senken, als dies am 16. März 2023 noch erwartet wurde. Aktuell geht der Markt davon aus, dass der Zinssatz per Ende Januar 2024 leicht unter 4.00 Prozent liegen wird. Im Vergleich zu Anfang März entspricht dies einer Differenz von 1.20 Prozent.

Die SNB hat heute Morgen entschieden, den Leitzins um 0.50 Prozent auf 1.50 Prozent zu erhöhen. Die Inflation ging im letzten Monat in die falsche Richtung und erhöhte sich im Vorjahresvergleich auf 3.40 Prozent. Die SNB sieht die Preissteigerungen vor allem im Tourismusbereich, dem Strom aber auch Nahrungsmittel verteuern sich weiter. Die SNB schreibt in ihrem aktuellen Bericht, dass sie von einer Inflation im Jahresdurchschnitt von 2.60 Prozent für 2023 ausgeht und in den beiden Folgejahren mit einer Inflation von 2.00 Prozent. Dies unter der Annahme, dass der Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 1.50 Prozent beträgt. Nachdem die Zinsfutures für den 3-Monats-Saron am 09.03.2023 per Dezember 2023 einen Zinssatz von 2.50 Prozent handelten wird per 23.03.2023 2.00 Prozent gepriced. Nach der heutigen Zinserhöhung scheint der Kampf der Nationalbanken gegen die Inflation noch nicht vorbei. Es ist aber absehbar, dass sich die Zinsen in absehbarer Zeit auf dem jetzigen oder leicht tieferen Niveau einpendeln dürften.

Für Schuldner bedeutet dies, dass man sich über die Finanzierungs- und Zinsabsicherungsstrategie Gedanken machen muss. Der Markt bietet immer wieder kurzfristig Zeitfenster um Zinsen langfristig, günstig anzubinden. Wir behalten den Markt aktiv im Auge und senden unseren Kunden auf Wunsch Alerts bei gewissen Zinsleveln um Zinsabsicherungen abzuschliessen oder aufzuheben. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, falls Sie direkte Fragen zur Finanzierungsstrategie haben. Wir stehen Ihnen gerne zu Verfügung, treten Sie gerne über das unten stehende Formular mit uns in Kontakt.

Erhalten Sie regelmässig ausgewählte Hintergrundberichte zu Themen, die sich auf Ihre Fremdkapital-finanzierung auswirken  – melden Sie sich hier zum Newsletter an:

Picture of Andreas Weber

Andreas Weber

Partner bei Corefinanz AG.

Facebook
Twitter
LinkedIn

Online Meeting Vereinbaren

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed do eiusmod tempor incid idunt ut labore ellt dolore.